Behandlungskonzept

Medizinische Versorgung:

Die medizinische Anamnese und körperliche Untersuchung wird durch eine detaillierte ethnomedizinische Befragung des Patienten nach einem standardisierten Fragebogen erweitert. Hier werden Schulbildung, Sprachkenntnisse, Religionsbildung, Kontakte zu alternativen Heilern, ethnische Untergruppierungen und ähnliches erfasst. Die medizinisch-somatische Behandlung erfolgt durch die türkisch sprechenden Stationsärzte. Für die Patienten steht eine differenzierte apparative Diagnostik zur Verfügung. In besonderen Fällen ist die Beobachtung in einem Überwachungszimmer über Nacht bzw. am Wochenende unter ständiger pflegerischer Betreuung möglich. Die medikamentöse Therapie wird nach entsprechender Indikation auf das Notwendige beschränkt. Die interne Supervision erfolgt durch den Ltd. Abteilungsarzt, der auch die Visite durchführt. Regelmäßig erfolgen externe und interne Supervision.


Psychotherapie:

Das in unserer Klinik für türkische Patienten etablierte gruppenpsychotherapeutische Konzept zielt auf:

  • Vermittlung eines Verständnisses psychosozialer Zusammenhänge
  • Steigerung der Selbstwahrnehmung z.B. über Entspannungsverfahren
  • Konfliktbearbeitung i.S. Themenzentrierter Interaktion (TZI)

Begleitende einzeltherapeutische Kontakte konzentrieren sich darauf, die im gruppentherapeutischen Programm erlernten Kompetenzen effektiv und effizient auf die individuellen störungsspezifischen Besonderheiten zur Entfaltung zu bringen und den Bezug zu den häuslichen Alltagsbedingungen herzustellen. Dabei können Bezugspersonen in die Therapie einbezogen werden.


Patienten mit ausreichenden deutschen Sprachkenntnissen nehmen zusammen mit den anderen deutschsprachigen Patienten an den vielfältigen störungsspezifischen Therapieprogrammen teil.


Pflege, Sozialtherapie

Die pflegerische Betreuung wird von türkischem Pflegepersonal übernommen. Seine Aufgabe ist es neben der Pflege, die Patienten bei der Alltagsbewältigung auf der Station zu unterstützen und die Gruppenbildung und die Erhaltung der kulturellen Identität zu fördern. Den Patienten steht die Lehrküche zur Verfügung, um hier in der Gruppe gemeinsam zu kochen.


Sozialtherapie soll dem Patienten behilflich sein bei der Klärung und Bewältigung von beruflichen, rechtlichen und finanziellen Schwierigkeiten sowie bei der Lösung von Wohnraumproblemen.


Arbeits-/ berufsbezogenes Rehabilitationsangebot: Fokussierung arbeitsplatzbezogener Probleme. In internen wie externen Arbeitserprobungen in Betrieben vor Ort kann die Belastungsfähigkeit gefördert und erprobt werden. Neben der Beratung in arbeits- und aufenthaltsrechtlichen Angelegenheiten unterstützen wir den poststationären Therapieverlauf durch die Vermittlung geeigneter Nachsorgeeinrichtungen. Ergänzt wird diese Arbeit durch Reha-Berater des Arbeitsamtes Meschede sowie der LVA Westfalen, die regelmäßig Sprechstunden in der Klinik abhalten.


Bei Bedarf werden ein Alphabetisierungskurs sowie ein Kurs zum Erlernen bzw. Verbessern der deutschen Sprache angeboten.


Gestaltungs-/ Ergotherapie: Neue Ausdrucksmöglichkeiten können entwickelt werden und in der Erfahrung mit verschiedenen Materialien Kreativität entfaltet und alternative Freizeitbeschäftigung kennengelernt werden.


Sport- und Körpertherapie, Physiotherapie und Krankengymnastik:

In der Sport-/ Körpertherapie wird das Körper- und Selbstwertgefühl der Patienten gestärkt. Durch die sportliche Zusammenarbeit in Gruppen werden Durchsetzungsfähigkeit, Kooperationsverhalten und Abgrenzungsvermögen eingeübt. Weiteres Ziel ist die Wiederherstellung und Steigerung der körperlichen Leistungsfähigkeit und der Körperwahrnehmung. Durch Physiotherapie und Krankengymnastik in der Gruppe können die anfangs stärkeren regressiven Bedürfnisse dieser Patienten aufgefangen werden.


Die Behandlungsdauer liegt meist wegen der psychosozialen Belastungen und des häufig langjährigen Verlaufs der Beschwerden bei 4- 6 Wochen.


Einige Gruppenaktivitäten finden zusammen mit den übrigen Patienten der Klinik statt und dienen der Integration der türkischen Migranten in den gesamten Klinikrahmen.

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