Behandlungskonzept

Vorgehensweise:

Erstkontakt mit dem Bezugstherapeuten, ausführliche psychodynamische und phänomenologische Diagnostik (ICD-10), biographische Anamnese, Krankheitsvorgeschichte unter besonderer Beachtung suizidaler und parasuizidaler Handlungen früherer positiver oder negativer Therapieerfahrungen.


Diagnostik:

  • die Symptomatologie des Patienten in Gegenwart und Vergangenheit
  • die Identität (insbesondere das Selbstkonzept und das Konzept von wichtigen anderen)
  • die Abwehrmechanismen (Verleugnung, Spaltung, Entwertung, Idealisierung)
  • die Fähigkeit zur Realitätsprüfung (Differentialdiagnose gegenüber psychotischen Störungen)
  • die Interaktion zwischen dem Patienten und dem Interviewer
  • die Wahrnehmung von Übertragung und Gegenübertragung

Vereinbarung eines Therapievertrages:

Definieren der Rollen, Aufgaben und Verantwortungen vom Patienten, dem Bezugstherapeuten und den Mitglidern des therapeutischen Teams


Therapieprinzipien:

  • Vorgehen in jeder Stunde nach hierarchischen Prinzipien der Dringlichkeit von aktuellen Problemen
  • Aktives Einsetzen von Interventionstechniken zur Klärung, Konfrontation mit Widersprüchen im Verhalten und Erleben
  • Langfristige strategische Prinzipien zur Förderung der Wahrnehmungs-, Einsichts-, Reflexions- und Integrationsfähigkeit
  • Krisenmanagement, Krisenintervention, medikamentöse Behandlung

Stationäre Therapie

In der Stationären Therapie übernehmen die Mitglieder des Stations- oder Behandlungsteams eine besondere Rolle und Aufgabe:

  • Sie übernehmen die Rolle, unterschiedliche reale Beziehung mit den Patienten aufzunehmen und mit ihm einzugehen.
  • Es entsteht ein soziales Netz, in dem die Patienten sehr schnell jene Verzerrungen in den Interaktionen hervorrufen, die typisch für ihre Borderline-Pathologie sind.
  • Das Team tauscht die Eindrücke über die Patienten aus und es können durch entgegengesetzte Meinungen dann sehr bald Spaltungen im Team deutlich werden, die es erlauben, die intrapsychische Problematik im zwischenmenschlichen Bereich im Team zu erleben und zu erkennen und im Verlauf der Therapie zu regulieren.

Veränderungen im Rahmen einer stationären psychodynamischen Psychotherapie

  • Depression, Angst und Suizidalität nehmen ab
  • Schwere Formen impulsiven und selbst-destruktiven Verhaltens außerhalb der Sitzungen werden besser beherrscht
  • Das Risiko des Therapieabbruchs vermindert sich.
  • Affektausbrüche beschränken sich auf die Therapiesitzungen und das Auftreten von starker Angst oder Depression ist mehr abhängig von Schwankungen in der Beziehung zum Therapeuten.
  • Durch die Stärkung der Impulskontrolle vermindert sich das chaotische und sozial unangepasste Verhalten des Patienten außerhalb der Einzel- und Gruppentherapiesitzungen.
  • Es wächst die Fähigkeit, eine stabile Beziehung mit dem Therapeuten aufrechtzuerhalten trotz stark schwankender Emotionen.

Durch eine zusätzliche Medikation können bestimmte Symptome (Schlafprobleme, psychosenahe Zustände, massive Angst und Depressivität und motorische Unruhe) positiv beeinflusst und die Bereitschaft des Patienten zur Mitarbeit gefördert werden.


Die rechtzeitige Vorbereitung auf die Beendigung der stationären Therapie und die frühzeitige Vermittlung in eine anschließende ambulante Psychotherapie sind bei Patienten mit Borderline- Persönlichkeitsstörungen unverzichtbarer Bestandteil der Therapie.

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