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Die Eltern-Kind Station der Fachlinik Hochsauerland - Hilfe auf allen Ebenen

Die Eltern-Kind Station der Fachlinik Hochsauerland - Hilfe auf allen Ebenen

Es ist bekannt, dass sozial beeinträchtigte Familien zu einer Risikogruppe gehören, die anfälliger für psychosomatische Erkrankungen sind. Ebenfalls gehören Alleinerziehende und ihre Kinder zu einer Risikoklientel, die durch die Mehrfachbelastung gehäuft unter psychosomatischen Störungen leiden. Die psychische Überforderung schlägt sich nieder in dysfunktionalen Kommunikationsstrukturen innerhalb der „Einelternfamilie“ und kann zu Symptombildungen führen. Stationäre Behandlung ist oftmals nicht möglich, da die Betreuung der Kinder während des Aufenthaltes nicht gewährleistet werden kann. Durch fehlende Möglichkeiten manifestieren sich zugrundeliegende Störungen bei den Eltern und führen zu Störungen bei dem Kind. Für psychosomatisch erkrankte Kinder gibt es wiederum wenige Kliniken in Deutschland mit einem speziell psychotherapeutischen Angebot. Die Internistisch-Psychosomatische Fachklinik Hochsauerland hat es sich seit 13 Jahren zum Auftrag gemacht, diese Nische zu füllen.


Im Rahmen der integrierten Eltern-Kind-Behandlung werden den o. g. Zielgruppen vielfältige Behandlungsmöglichkeiten geboten. So haben psychisch erkrankte Eltern mit unterschiedlichsten Störungsbildern (Angsterkrankungen, Depressionen, Essstörungen, PTBS, Persönlichkeitsstörungen), die Möglichkeit ihre Kinder ebenfalls stationär unterbringen zu lassen. Die Kinder der Betroffenen werden in diesem Fall als Begleitpersonen ohne spezifischen Behandlungsauftrag in der klinikinternen heilpädagogischen KiTa betreut. In zusätzlichen Eltern-Kind-Angeboten steht das Arbeiten an dysfunktionalen Beziehungsstrukturen im Vordergrund. In einer spezifischen Elterngruppe haben die Eltern die Möglichkeit Problemfelder anzusprechen und funktionale Strategien zu entwickeln. Sollte es bei dem Kind bereits zu emotionalen Störungen, Verhaltensauffälligkeiten, vegetativen Dysfunktionen, ADHS, Adipositas etc. gekommen sein, kann das Kind - nach vorliegender Kostenzusage - als Therapiekind mit aufgenommen werden.
 

Kinderpsychotherapie

Nach der stationären Aufnahme erfolgt zunächst eine ausführliche Diagnostik, die sich in eine Spiel- und Bewegungsbeobachtung unterteilt. Sie wird spielerisch eingebettet, so dass das Kind aktiv an der Gestaltung teilnimmt und eine angenehme Atmosphäre entsteht. Eine heilpädagogische Befundaufnahme und Verhaltensbeobachtung (Erfassung des Sozialverhaltens, der Eltern-Kind-Interaktion, der kinästhetischen, vestibulären, visuellen und auditiven Wahrnehmung etc.) ergänzen das diagnostische Bild. Im Anschluss werden gemeinsam mit den Eltern und Kindern Förderinhalte, Schwerpunkte und Therapieziele erarbeitet. Es erfolgt ein Behandlungsplan in den diese unterschiedlichen Therapien eingebettet werden.

 

Zum einen ist dies die Spieltherapie, bei der Konflikte spielerisch reinszeniert und alternative Handlungsmuster etabliert werden können. Im Spiel mit anderen Kindern kann z. B. Rücksichtnahme, kooperatives und akzeptierendes Verhalten erfahren und eingeübt werden. Diese Erfahrungen steigern das Selbstwertgefühl des Kindes und bauen Selbstvertrauen auf. Im gemeinsamen Spiel wird dem sozialen Vermeidungs- u. Abwehrverhalten entgegengewirkt. Hierdurch können Entwicklungsdefizite aufgehoben und die Fähigkeit zur Wahrnehmung anderer, wie auch des eigenen Selbst gefördert werden. Gleichzeitig wird die Autonomie des Kindes durch die notwendigen Abgrenzungsprozesse bestärkt. In der Gestaltungstherapie haben die Kinder die Möglichkeit, einen non-verbalen Ausdruck zu finden. Emotionale Prozesse werden hierdurch gefördert. Das Kind setzt Malen, Formen oder Gestalten als Medium ein und bringt das, was es nicht in Worte fassen kann, symbolisch zum Ausdruck. Es gelingt somit Sorgen und Ängste, Hoffnungen und Wünsche mitzuteilen. Gemeinsam mit den Eltern wird in ergotherapeutischen Angeboten die Kooperation zwischen Eltern und Kind gefördert. Am konkreten Beispiel können Probleme von überfürsorglichem bzw. distanziertem Verhalten erlebt und korrigiert werden. Ein weiteres wesentliches Element innerhalb des Behandlungskonzeptes stellt die Familientherapie dar. Hier steht insbesondere das Offenlegen kritischer Beziehungsmuster im Fokus, so dass in der systemischen Arbeit Verhaltensalternativen konkret eingeübt werden können.

 

Innerhalb der Bewegungstherapie steht für die Kinder eine besondere psychomotorische Behandlungsmöglichkeit zur Verfügung, in der motorische Defizite über entsprechende Übungen ausgeglichen und die Körper- bzw. Selbstwahrnehmung der Kinder gefördert werden können. Über die Bewegung lässt sich leicht ein Zugang zum Kind finden. Die kindliche Körpererfahrung ist untrennbar mit dem Selbst verbunden. In seiner spontanen, spielerisch motorischen Tätigkeit erlebt sich das Kind unmittelbar und unreflektiert als bedeutsam. Die Psychomotorik ist ein weiteres Verfahren im Rahmen der personenzentrierten Kinderpsychotherapie. Sie ist ein Feld, in dem Kindern die Möglichkeit geboten wird, mit vielen einfachen, grundlegenden Bewegungsabläufen zu experimentieren. Nicht das Training von Fertigkeiten steht im Vordergrund, sondern die Wahrnehmung, das Erleben und die Erfahrung des Kindes. Die Entspannungstherapie fördert eine geistig-seelische Ausgeglichenheit, die bereits für viele Kinder und Jugendliche nur noch schwer zu erreichen ist. Bei Kindern mit Übergewicht wird darüber hinaus ein spezielles Adipositastraining nach Warschauer & Petermann angeboten.

 

Behandlungsdauer

Die Behandlungsdauer beträgt im Durchschnitt 6-8 Wochen. Es können bis zu 30 Kinder im Alter von 0- 14 Jahren aufgenommen werden. Die Kinder werden dem Alter und Entwicklungsstand entsprechend, in die Klein- und Kleinstkindergruppe (0-7 Jahren) oder in die Jugendgruppe (8-14 Jahre) eingeteilt. Die Schulkinder besuchen während der Schulzeit die örtlichen Schulen in Bad Fredeburg oder Schmallenberg. Im Anschluss an den Unterricht findet eine Hausaufgabenbetreuung innerhalb der Klinik statt.

 

Ziele

Ziel der kombinierten Behandlung von Eltern und Kinder ist neben der therapeutischen Behandlung einer vorliegenden
Erkrankung, die Prävention einer innerfamiliär sich zuspitzenden Krankheitsspirale, die durch Kompetenzdefizite, wie auch durch unbewusste, intrapsychische und intrapersonelle Konflikte aufrecht erhalten werden. Hier spielen u. a. bei den Eltern unbewusste Scham- und Schuldgefühle eine erhebliche Rolle, die funktionales Verhalten verhindern und somit Strukturen, in denen sich das Kind gehalten fühlt, nicht entstehen lassen.

 

Das Team der Eltern-Kind-Station

Das zur Verfügung stehende interdisziplinäre Team der Eltern-Kind-Station, bestehend aus Heilpädagogen, Psychologen, Ergotherapeuten und Erziehern arbeitet eng mit dem übrigen Fachpersonal der Fachklinik Hochsauerland zusammen, welches aus Pflegepersonal, Ärzten, Gestaltungstherapeuten sowie Ernährungs- und Diätberatern besteht. In regelmäßigen Teamsitzungen befindet sich das Personal im ständigen fachlichen Austausch, so dass sich unterschiedliche Sichtweisen sowie Handlungsansätze ergänzen und zu einer vollständigen Wahrnehmung der Eltern und Kinder führen. Die Fachklinik Hochsauerland hilft Eltern und ihren Kindern auf allen Ebenen.

 

Dipl. Psych. Nina Fleiter
Mitglied der Klinisch-Psychologischen Leitung
Ilka Diete
Leitung Kindertagesstätte



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